Kosten

... oder wie man mit Katzenzucht Gewinne macht.

Es gibt immer noch Menschen, die der Ansicht sind, dass Züchter sich mit dem Verkauf ihrer Katzenkinder "eine goldene Nase" verdienen. Andererseits wird behauptet, die Zucht von Katzen wäre ein äußerst kostspieliges Hobby. Heinz Stößer ist der Frage nachgegangen, was Katzenzucht wirklich kostet:

In dem Moment, wo Sie als seriöser Züchter im Inhaltsverzeichnis den Titel "Wie man mit der Katzenzucht Gewinne macht" entdecken, wären Sie sicher direkt empört und erwarten, hier vielleicht eine Abhandlung und Empfehlung zur gewinnträchtigen Zucht zu finden. Das glauben Sie aber doch nicht wirklich ? Jeder, der ordentlich züchtet und jeder, der sich näher mit dem Thema "Zucht" beschäftigt, weiß wie teuer dieses Hobby ist. Eigentlich scheuen wir Züchter uns definitiv über Zahlen zu sprechen, weil wir unsere liebevoll aufgezogenen verkauften Jungtiere sowie Zuchtkatzen und Kastraten nicht nach einer Kosten- / Nutzen-Rechnung nach dem Motto: "der bringt Gewinn, der bringt Verlust und muss weg", einbeziehen. Hinzu kommt, dass Freunde, die zum Beispiel ihre Zeit auf dem Golf- oder Tennisplatz verbringen, uns für komplett verrückt erklären würden.

Katzenkäufer, die für eine Rassekatze ca. 650 EURO zahlen müssen, rechnen diesen Betrag oftmals schnell auf eine durchschnittliche Wurfgröße von vier Jungtieren hoch und glauben, der Züchter hätte nun 2.600 EURO für den nächsten Urlaub, als Anzahlung für das neue Auto und Ähnliches auf dem Sparbuch. Da Begriffe wie "kostspielig" und "teuer" äußerst dehnbar und relativ sind, ist es vielleicht einmal an der Zeit konkret über Zahlen zu sprechen, auch wenn es sich bei dem Katzenverkauf nicht um ein Geschäft handelt und sich jeder seriöse Züchter darüber im Klaren ist, dass er mit Mitlebewesen wie Katzen keinen Handel betreibt.
Dagmar Thies stellt in ihrem Ratgeber Rassekatzen züchten auch die Frage "Lässt sich mit Katzen Geld verdienen?" und meint ganz richtig: "Ein folgenschwerer Irrtum. Unter Geld verdienen ist zu verstehen, dass einem Züchter nach dem Verkauf seines Katzennachwuchses zu einem angemessenen, zugleich als Lebensversicherung für die Jungkatzen gedachten Preis ein genügend großer Überschuss verbleibt, der geeignet ist, zum eigenen Lebensunterhalt beizutragen. Diese Rechnung geht aber nicht auf. Mit finanziellem Gewinn lässt sich Katzenzucht auf tierschützerisch - legalem Weg niemals realisieren."


Als Argument gegen den oben genannten üblichen Kaufpreis hören Züchter auch immer wieder, dass Hauskatzenhalter ihre Kätzchen lediglich für 100 bis  200 EURO anbieten und damit ihre Kosten gedeckt wären, dem müsste bei Rassekatzen genauso sein, schließlich hätten alle jungen Katzen die gleichen Bedürfnisse. Selbstverständlich sollte jeder Hauskatzenbesitzer den gleichen Aufwand wie ein verantwortungsbewusster Züchter betreiben. Die Frage stellt sich nur, ob er das wirklich tut und ob er weiß, was er zu tun hat. Schließlich lernt ein verantwortungsbewusster Züchter im Gespräch mit Gleichgesinnten, durch entsprechende Literatur, den Besuch von Ausstellungen, Genetikseminaren usw. über Jahre immer wieder dazu, wobei er nicht selten hin und wieder Lehrgeld zahlen muss. Außerdem fallen für den Hauskatzenfreund, der einmal einen Wurf junger Katzen in seinem Heim haben möchte, die Anschaffungskosten, die beim Kauf einer Rassekatze entstehen, automatisch weg.

Startkosten

Wie heißt es so schön, "Züchter werden das ist einfach, Züchter sein dagegen schwer". Der Weg, auf dem ein Katzenfreund geht, um Züchter zu werden, ist steinig und mit hohen, (nicht nur) Anschaffungskosten verbunden. Zunächst muss er Mitglied in einem Verein werden und einen Zwingereintrag vornehmen lassen. Durchschnittlich beträgt der Vereinsbeitrag 70 EURO, der Zwingereintrag kostet 60 EURO und die Aufnahmegebühr im Verein 20 EURO, also insgesamt 150 EURO.

Gehen wir einmal von einer normalen zu kaufenden Anzahl von Rassekatzen aus, die für die Zucht tauglich sein sollten. So erscheint der durchschnittliche Kaufpreis für eine Rassekatze in Höhe von 800 - 1000 EURO je nach persönlicher Einstellung mehr oder weniger hoch. Mit dem "puren" Kaufpreis für einen Anfängerbestand für einen Kater und vier Weibchen in Höhe von ca. 4.500 EURO kommt der Züchter bei weitem nicht aus. Zahlreiche Telefonate, Ausstellungs- und Züchterbesuche, oftmals auch ins Ausland sind nötig, um die Katze oder den Kater zu erhalten, den man sich wünscht. Da ein Züchter es tunlichst unterlassen sollte, sich eine Katze nur nach dem Ansehen von Fotos und Stammbäumen zu kaufen, muss er mindestens vor dem Abholtermin auch einmal ins Ausland fahren, um die Zuchtstätte, die Katzenhaltung, Eltern und Jungtiere begutachten zu können. Das Gleiche gilt ebenso im Inland, obwohl hier je nach Entfernung die Reisekosten niedriger sein können. Die Zusatzkosten belaufen sich pro Jungtier um die 500 EURO bei Inlandskäufen und ca. 2000 EURO bei Auslandskäufen, incl. ausführlicher, unabdingbarer Telefonkontakte, zweifacher An- und Abreise per PKW oder Flugzeug, Hotel- und Restaurantkosten (bei bescheidener Unterbringung) und Ähnlichem.

Impfungen:
2 x Seuche / Schnupfen je EURO 35   70 EURO
2 x Leukose je EURO 40   80 EURO
1 x Tollwut   25 EURO
Zum Schutz vor Infektionen können auch weitere Impfungen nötig werden. .
zusammen 175 EURO
Ausstellungsbesuch / Meldegebühr: .
1 x Jugendklasse 3 -   6 Monate (zur Gewöhnung)   23 EURO
1 x Jugendklasse 3 - 10 Monate (zur Gewöhnung)   23 EURO
3 x offene Klasse (CAC, Prüfung zur Zuchttauglichkeit)   69 EURO
Fahrtkosten zu Ausstellungen: .
Durchschnittsentfernung ca. 200 km (Hin- und Rückfahrt ca. 400 km) 200 EURO
Käfigausstattung: .
Trennscheiben, Gardinen, Teppich, Toilette, Körbchen, Näpfe 120 EURO
Insgesamt pro Katze 610 EURO

Ausstellungsbesuche mit einem Kater

Bei einem Kater kann die gleiche Berechnung bei seinem Weg zum Star zugrunde gelegt werden, mit der Ausnahme, dass Kater oftmals längere Zeit benötigen, bis sie komplett ausgewachsen und eine imposante Größe erreicht haben eine längere Entwicklungszeit benötigen und somit nicht nur im Alter von 3 Monaten bis ca. 2 Jahren auf Ausstellungen präsentiert werden sollten. Nach der offenen Klasse werden zum Erlangen der Titel
Auslandsausstellungen nötig, bei denen je nach Entfernung die Anreise und ggf. Hotel- wie Restaurant-Kosten ein Loch in die Geldbörse reißen können.

Kosten für einen Wurf

Gehen wir einmal davon aus, dass eine Fremddeckung vorgenommen wird, weil dieses zum Erlangen eines bestimmten Zuchtzieles nötig ist, der eigene Kater noch zu jung zum Decken ist oder er die Katze dummer Weise nicht decken kann oder will. Die nachfolgenden genannten Kosten reduzieren sich nicht um die Kosten, die für eine Fremdverpaarung veranschlagt werden, weil die Haltung eines eigenen Katers, wie zuvor beschrieben, sehr kostenintensiv ist. Sie verändern sich lediglich im Laufe der Jahre. Bei der Rechnung unten im Kasten ist eine Wurfstärke von vier Jungtieren als Durchschnittswert Maßgabe. Bei einem Verkaufspreis von EURO 650 bleibt dem Züchter ein Minus!!

Hinzu kommt, dass die in den letzten Jahren vermehrt vorkommenden Billigangebote von Schmuddelzüchtern und Händlern in Tageszeitungen, die die schnelle Mark machen wollen, den seriösen Züchtern verstärkt durch die Uninformiertheit zahlreicher Interessenten das Leben schwer machen. Kaum ein Züchter verkauft, und ist er auch noch so bekannt und erfolgreich, heute noch pro Inserat generell ein oder mehrere Jungtiere. Außerdem ist es nicht sein Bestreben, seine optimal aufgezogenen, liebevoll auf den Menschen geprägten Katzenkinder dem erst Besten in die Hände zu drücken. Er ist bestrebt, die Käufer auf Herz und Nieren zu prüfen, was neben der Aufzucht enorm viel Zeit verlangt und Nerven kostet. Hin und wieder wird er in die Situation kommen, einem Menschen zu erklären, dass er ihn als Katzenhalter für ungeeignet erachtet. Auch dieses ist kein leichtes Unterfangen.
Zeitraubend sind ebenso Anrufe von Züchterkollegen, die sich unter falschem Namen als Preisabfrage ihre Zeit totschlagen, anstatt diese zu nutzen, um sich endlich um ihre Katzen zu kümmern oder ihr Wissen über Zucht, Genetik und das Wesen der Katze als solches zu erweitern.

Kosten für einen Wurf
Tierarztbesuch mit der Katze vor der Verpaarung, Gesundheitsscheck normal   20 EURO
Bei Fremddeckung: FIP-Screening (25 EURO), Leukose-Test (35 EURO)   60 EURO
Deckgebühr (Gebühren werden festgelegt nach Qualität, Bekanntheitsgrad und Einstellung der Züchter und können auch erheblich mehr betragen) 500 EURO
Telefonate bei der Suche nach einen geeignetem Kater 100 EURO
3 x Fahrt zum Züchter (Inaugenscheinnahme des Katers und der Deckräumlichkeiten, Katze zum Termin bringen und abholen ) ca. 300 km.. 200 EURO
Zusatzernährung der trächtigen bzw. säugenden Katze 150 EURO
Desinfektionsmittel 15 EURO
Jungtierernährung ab ca. 4. bis 12 Woche 550 EURO
Katzenstreu ab ca. 4. bis 12 Woche 100 EURO
Spielzeug 50 EURO
Wurmkur (6 x 4 je ca. 2 EURO) 48 EURO
Katzenschnupfen-/Katzenseucheimpfung (4 x 35 EURO) 140 EURO
Gesundheitszeugnis (4 x 6 EURO) 24 EURO
4 x Stammbaum / Ahnentafel 80 EURO
Werbung:  
Fotos (im Zeitalter von Internet mit Diskette) 60 EURO
Zwingerwerbung für Ausstellungen / Info 50 EURO
Visitenkarten 10 EURO
2 Anzeigen in Fachzeitschriften, 10 Anzeigen in Tageszeitungen 350 EURO
Sonstiges, wie Telefonate, Beratung von Interessenten, Versand von Infomaterial, Bewirtung von Gästen, Fahrtkosten zum Tierarzt 100 EURO
Kontrollbesuch beim Käufer sowie Nachbetreuung 50 EURO
Gesamte Kosten für den Wurf 2607 EURO
 
Kosten pro Jungtier 651 EURO

 


 Auf das Handeln bzgl. des Kaufpreises sollte sich ein Züchter tunlichst nicht einlassen

Schließlich handelt es sich bei Katzen um Mitlebewesen und nicht um Flohmarktware. Wie sich der Kaufpreis zusammensetzt und, dass wir uns als Züchter keine goldene Nase verdienen, kann man seinen Anrufern dennoch erklären.
Manch ein Käufer wird so zur Einsicht bewegt und davor bewahrt von einem Schmuddelzüchter über den Leisten gezogen zu werden. Welche Folgekosten, Ängste und Sorgen oftmals auf Katzenfreunde, die bei Vermehrern billig eine Rassekatze erstanden haben, zukommen ist ihnen meist nicht bewusst. Scheuen Sie sich als ordentlicher Züchter nicht davor, Anrufer, die meinen: "Da gibt es aber eine Anzeige, da sind die viel billiger. Warum sind denn ihre denn so teuer ?" entsprechend aufzuklären. Selbstverständlich verlaufen zahlreiche Gespräche in dieser Art häufig ermüdend und sind nicht immer von Erfolg gekrönt, die Meinung des anderen wie gewünscht zu verändern.

Gespräche über Kostenintensität unseres Hobbys ist aber letztendlich auch als Beitrag zum Tierschutz zu werten, insbesondere auch dann, wenn der Züchter einen guten Draht zum Tierschutzbund unterhält und so ganz nebenbei bei Jungtiersuchenden, die sich eine Rassekatze definitiv nicht leisten können, diesbezüglich eine Hauskatze oder eine ältere Rassekatze zu vermitteln. Letztendlich kann unseriösen Verkaufspraktiken und den damit verbundenem Elend schlecht aufgezogener und verhaltensgestörter Rassekätzchen nur durch entsprechende Aufklärung langfristig ein Ende bereitet werden. Dass zum Teil der Irrglaube in der Bevölkerung immer noch besteht, dass Züchter mit dem Verkauf von Katzenkindern sich eine goldene Nase verdienen, liegt nicht zuletzt an der zum Glück geringen Menge unseriöser Züchter (die nicht alle nur außerhalb der Vereine züchten), denen gutgläubige Katzenfreunde auf den Leim gehen.

Katzenfreunde, die sich auf den Weg machen ein Jungtier zu kaufen, sollten sich daher verdeutlichen, dass nur der wohl durchdachte Kauf mit Verstand und Vernunft sowie das Ausschließen von falsch verstandenem Mitleid sie vor Fehlkäufen schützt. Die Leidtragenden sind immer letztendlich die armen Katzen, die nicht entsprechend sozialisiert und krank in das Tierheim abgeschoben oder eingeschläfert werden müssen und auch die wirklich seriösen Züchter, die mangels echter Anerkennung ihrer Liebe zur Katze und ihren intensiven Bestrebungen zur Zuchtverbesserung irgendwann frustriert das Handtuch werfen.
Vielleicht sollten wir uns gar nicht so sehr davor scheuen, über konkrete Zahlen zu sprechen und insbesondere Kaufinteressenten unterhaltsame Erzählungen und Anekdoten vermitteln, wie viel Herzblut in einer guten Zucht steckt. Und denken Sie daran, wir brauchen uns nicht dafür zu entschuldigen, dass wir unsere Katzenbabys nicht für "einen Appel und ein Ei" abgeben. Der Kaufpreis garantiert wenigstens bis zu einem gewissen Maß eine wohlüberlegte Kaufentscheidung des Interessenten.

Bei den hier veröffentlichten Kostenaufstellungen geht es zudem nur um Beträge, die nur einem seriösen Züchter entstehen. Die Ausgaben, die ein Katzenhalter im allgemeinen regelmäßig hat, wurden in die Überlegungen nicht mit einbezogen, obwohl auch dieses letztendlich relevant sind. Das weiß ein Katzenhalter, auch wenn er nicht züchtet.

(Vorstehender Text wurde veröffentlicht in der Ausgabe Nr. 6, Juni 2000,
der Zeitschrift "Katzen extra", Seiten 29 - 33)