Katzen sind Einzelgänger und brauchen Freilauf

Katzen sind Einzelgänger – HMMM – oder auch nicht??

Es ist mal wieder an der Zeit, mit einer weit verbreiteten Mär aufzuräumen – oder es zumindest zu versuchen.

Als Züchter verdödelt man ja so manche Wochenenden auf Ausstellungen und bekommt da auch die schönsten Sachen um die Ohren gehauen. Nicht nur von unbedarften Besuchern, nein, auch von so genannten Katzenkennern. Diese befinden sich meist im Gefolge der Besucher und sind erklecklich halb informiert bzw. haben sich ihre eigene Logik erfunden, die sie dann vehement vertreten. Laut und inbrünstig.

Unter anderem: Katzen sind Einzelgänger und müssen Freilauf haben.

Schon mal zwei Aussagen in einem Satz, die so so gar nicht stimmen.

  1. Katzen sind Einzelgänger

Stimmt leider nur zum Teil. Es gibt in der Feliden Welt Exemplare, die tatsächlich nichts anderes möchten, als zu ihrem Menschen zu gehören bzw. als Einzelgänger ihr Leben in Freiheit zu fristen. Aber selbst diese sehnen sich ab und an nach feliner Gesellschaft. Das Reviergehabe der Katzen gibt darauf ausreichend Antwort. Der geneigte Leser mag sich bitte dahingehend informieren; hier würde es den Rahmen (und die Geduld meines Webmasters) definitiv sprengen.

Man kann also getrost behaupten (zumindest tue ich – und nicht nur ich – das als Züchter), Katzen sind soziale Tiere mit einem sozialen Gruppengefüge. Dieses Gruppengefüge kann man nicht nur im Haus sondern bei jeder Bauernhofpopulation hinreichend beobachten.

Ein Mensch, der sich eine Katze zulegen möchte und 8 und mehr Stunden ausser Haus ist, tut gut daran, diesem armen Katzenkind einen adäquaten Kumpel an die Seite zu stellen. Ansonsten darf er sich nicht wundern, wenn die Abteilung „fix-niedlich“ sich an Tapeten und Möbeln zu schaffen macht. Pure, schnöde Langeweile. Auch eine Katze braucht Beschäftigung – und nicht nur per Homo Sapiens. Der kann nämlich eigentlich nix – er ist meist ausser Haus. Und was, bitte, soll eine anständige Katze egal welcher Rasse oder Coleur dann mit sich anfangen?? O.K., Katze macht sich nützlich: Tapeten-Klebkrafttesten, Material-Qualitätskontrolle Couch, Kratzfestigkeit Holz….. Nun, eben alles, was dem Dosenöffner hilfreich ist. Aber vielleicht nicht angenehm. Eigene Schuld – bei zwei Fellnasen passiert sowas weniger. Selbst wenn SIE auf dem Single-Tripp sind – Ihre Katze ist es sicher nicht!

Fazit:

Wer berufstätig ist tut extrem gut daran, ZWEI Fellmonster in seine WG aufzunehmen. Das garantiert zumeist ausgeglichene Katzen und einen zufriedenen Menschen.

Und man kann einem Katzenbaby im Alter von 12 bis 16 Wochen nichts Schlimmeres antun, als es in sein neues Zuhause zu bringen und es dann mindestens 8 Stunden (mit Arbeitsweg und Pausen ist man auch ganz schnell bei 11 Stunden) am Tag allein zu lassen. Nicht nur, dass dem Tier langweilig wird und die o. g. Dinge anstellt, es kann auch zu Verhaltensauffälligkeiten kommen, die ohne weiteres in Unsauberkeit enden.



  1. Katzen brauchen Freilauf.

Mehr als falsch. Katzen, die in der Wohnung geboren werden und aufwachsen und keinen Freilauf kennen, brauchen auch keinen und haben auch kein Bedürfnis danach. Diese Aussage ist völlig Rasseunabhängig. Allerdings: Ist die einzuknastierende Katze frei geboren und hat die ersten Wochen ihres Lebens in „Freiheit“ verbracht, wird es schwer gelingen, sie an eine alleinige Wohnungshaltung zu gewöhnen. Hier greife der geneigte zukünftige Katzenbesitzer besser auf eine in der Wohnung geborene Katze zurück. Sie macht weit weniger Ärger, da sie die Unbillen der Freiheit nicht kennt und auch kein Verlangen danach hat, diese kennen zu lernen.

Oft schon hörte ich von „Katzenkennern“, dass es Tierquälerei sei, Katzen ohne Freilauf zu halten. Ist es keine Tierquälerei, Pferde, Rinder, Schweine, Hunde und alle Kleintiere in Käfigen (Vögel, Nager, Fische etc.) unfrei hinter Zäunen, in Käfigen und Aquarien etc. zu halten? Überlegen Sie mal!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spass mit Ihren
(!! Mehrzahl!!) Fell- und anderen
-nasen…